Oh ja, auch die Subkultur lässt sich blicken. Im Winter harrt sie zu ausgedehnten Feiereien in Gewölben und Kaschemmem aus. Doch kaum wagt sich die Sonne heraus, tun es auch die Anhänger weniger populärer Freuden - wie die der elektronischen Tanzmusik. Da merkt der aufmerksame Besucher sogleich, dass es sich inzwischen um äußerst populäre Freuden handelt. Im Licht betrachtet zeigt die Subkultur ihre schönere Seite. Und die Menschen erscheinen zahlreich.
Beim Pfingst-Open-Air des Stammtisch Mortale etwa war die Crème de la Crème der elektronischen Musik der Stadt zu hören und zu sehen. Das schon seit mehreren Jahren veranstaltete Minifestival fand dieses Jahr auf dem Gelände des Mimmis, einem Kulturverein im Hasepark, statt.
Der Stammtisch Mortale schaltet schon seit vielen Jahren an Osnabrücker Mischpulten und waltet über die besten Feiergelegenheiten der Stadt. Lange Zeit wurden die Veranstaltungen als Geheimtipp gehandelt, doch das ist längst vorbei. Dennoch haben sie ihren Charme behalten. Das liegt vor allem an der hinter dem klangvollen Namen stehenden Gruppe von äußerst ambitionierten DJs, die jedoch längst nicht nur für Musik sorgen. Mit viel Liebe zum Detail wird jede Party vorbereitet. Ausgefallene, speziell gezimmerte Sitzgelegenheiten gehören ebenso dazu, wie ein dezentes, aber bezauberndes Lichtarrangement.
Zum Stamm der Gruppe zählen sich rund zehn Osnabrücker, die im "richtigen Leben" ganz verschieden sind. Von Michael kann man Neues über eine Kletterhalle in Osnabrück erfahren, Gerrit spricht über ein Unternehmen für Schaltanlagen. Natürlich sind auch Vollzeitkreative an Bord. Und Jungspunde ebenso, wie alteingesessene Kenner, die schon seit den 90ern die Teller drehen.
Insgesamt hat man bei den Feiern das Gefühl, mit dem Stammtisch Mortale sei die elektronische Musikkultur in Osnabrück ein bisschen erwachsener geworden. Die Musik selbst ist keine Reihung von Partykrachern, wie die Nachbarschaft in vielen Clubs sie bietet. Vielmehr sind interessante, ausgewählte Stücke zu hören - zum Teil handelt es sich um anspruchsvolle, minimalistische Musik. Die DJs verstehen ihr Handwerk als Gestaltung eines Spannungsbogens. Da wird jedes Klickern und Klackern zum Ereignis, und jeder hinausgezögerte Höhepunkt zum Gemeinschaftserlebnis.
Die Open-Air-Veranstaltungen beginnen immer bereits Nachmittags. Im Hellen zeigt sich das Publikum als bunte Mischung aus vielen verschiedenen Menschen, die die Liebe zum Tanzen verbindet. Mit der "goldenen Stunde" bringt die untergehende Sonne den Tanzenden eine romantische Abendstimmung. Und kurze Zeit später kann die ausgefeilte Lichttechnik ihr Potential entfalten.
Das klingt ein bisschen kitschig - und das ist es auch. Doch wenn man mittendrin tanzt und den Rhythmus erlebt, sieht man das anders.
Viele Grüße
Euer Peter