Michael Schenk

Michael Schenk - Foto: Stefan Klüter

09. November 2012

OS-Blog Teil 11

Tätää! The lang ersehnte Return of OS-Blog. Heute: Teil 11, mit Veranstaltungstipp, Überlänge UND Promi-Bonus! Und extra Ausrufezeichen!

Hallo, liebe Gemeinde. Es war eine lange Sommerpause, und jetzt macht der Sommer erst mal lange Pause, doch der OS-Blog hat mich wieder. Und ich Euch! Ich freue mich, Euch gleich zum Einstieg ins herbstliche Treiben einen wundervollen Mitmenschen vorzustellen, den Ihr mit Sicherheit alle kennt: Michael Schenk.

„Hä?“, sagt ihr. Das klingt wenig eloquent und ähnlich ahnungslos wie yours truly, bevor ich den Mann gegoogelt hatte. „Michael Wer? Der von der Schenker-Group?“ Bevor Ihr jetzt anfangt, „Wind of Change“ zu summen, lasst es mich so sagen: Duell - Enemy at the Gates. Napola - Elite für den Führer. München. Der Vorleser. Das weiße Band. Der Baader Meinhof Komplex. Noch Fragen? Egal – mit den zahlreichen Fernsehserien und Krimis, die Schenk ebenfalls durch seine schauspielerische Leistung aufwertet, verschone ich Euch jetzt mal. Jedenfalls reicht dem durchschnittlichen Filmfan ein Blick ins oben abgebildete Konterfei, um zu wissen: Ja klar, den kenne ich. Der ist berühmt! Und nun merkt Euch einfach den Namen MICHAEL SCHENK dazu, denn: Der Mann ist Osnabrücker.

Relativ nervös nach dem ganzen Gegoogle in letzter Minute warte ich also in der Lagerhalle auf den Bona-Fide-Star. Er hat es geschafft: from Osnabronx to Hollywood, gleichsam. Als einer von drei Friedenspreis-Juroren weilt er gerade zum FilmFest an der Hase, und es war die Idee des FilmFest-Chefs Florian Vollmers, ihn – nicht nur, aber auch – zum Thema Osnabrück zu interviewen. Endlich. Schenk kommt rein, und: Tatsächlich, er hat eines dieser Gesichter, das sich in die (Film- und TV-affine) deutsche Hirnrinde gebrannt hat. Ich könnte jetzt spontan nicht mehr genau sagen, woher, aber: ich kenne es.

Geht ihm das die Tage hier öfter so? Ja, antwortet er mit relativ dunkler, charismatischer Stimme, er komme generell oft Menschen bekannt vor, „die dann nicht wissen, wo sie mich hintun sollen.“ Ein Highlight war etwa die Bikertruppe mitten in Andalusien, die ihm entgegengröhlte: „Ey, Du kommst doch auch aus Wuppertal!“ Spricht’s, komplett mit überzeugendem Bergischem Slang. Und fügt eine kleine Bemerkung hinzu, die von der Beobachtungsgabe des geborenen Schriftstellers spricht (dazu gleich mehr): „Das ist, wie wenn ich meiner Zahnärztin im Theater begegne. So out of context kann man das immer schwer einordnen.“

Ja, und Osnabrück so? Aufgewachsen ist er im Osnabrücker Land, „in der Iburger Ecke“. Dort kommt er auch heute noch am liebsten hin – leider ist ihm aber „zum Ganz-wieder-Herkommen das Wetter zu schlecht.“ Seine Jugend-Sozialisation fand in der Stadt statt, im Hyde Park, damals noch an der Rheiner Landstraße, und in der Lagerhalle. Außerdem wurde hier der Entschluss zur Schauspielerei geboren. Zunächst generell der Bildenden Kunst und Literatur zugewandt, merkte Schenk „beim Theaterspielen im Akzisehaus“ – man gab Sartres Geschlossene Gesellschaft – dass das Darstellen sein Ding war.

Generell sei Osnabrück zwar auch ein Ort zum Wohlfühlen, mit einem besseren Angebot als so manch andere Stadt vergleichbarer Größe – „gib mir in Worms zum Beispiel einen Gutschein über 2000 Euro, ich würde mit leeren Händen wieder aus der Stadt gehen“ – aber der Wohlfühlaspekt reiche eben in manchen Fällen nicht aus, um junge Menschen hier zu halten. „Als künstlerischem Mensch fehlen einem hier die Widersprüche, die Brüche“, fasst er zusammen, was ihn forttrieb. „Wenn Du jung bist und Impulse suchst, Dich reiben willst, solltest Du eher mal weggehen.“ Wenigstens eine Zeit lang, fügt er hinzu.

1988 zog es ihn dann auch deswegen gen Süden, nach Stuttgart. Dort, an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, lernte er sein Handwerk von der Pike auf,  „aber die Schauspielschulzeit war nicht immer supertoll“. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten plagten ihn, wird man doch quasi auseinandergenommen in solch einer Kaderschmiede. Die Ludwigsburger Filmakademie war aber in der Nähe, und dort ergaben sich schließlich Kontakte ins Filmbusiness, die weiterführten.

Theater spielte Michael Schenk natürlich auch, und der Durchbruch im Film war 1996 mit Der Sandmann besiegelt. Was aber noch wenige wissen: Das Multi-Talent ist auch Grimmepreisträger – für ein Drehbuch. „Literatur ist schon ein ziemlich großes Thema bei mir“, sagt Schenk, und fügt bescheiden hinzu, dass das mehr mit Dingen wie Geschmack, Sprachgefühl und Musikalität zu tun habe als mit irgendeiner großen Intellektualität. Schreiben „aus Lust an der Prosa“ wird er jedenfalls weiter, „wenn Platz im Kopf ist. Ich bin nicht so gut im Multitasking.“

Mittlerweile lebt Schenk hauptsächlich in Berlin, ist aber recht regelmäßig in der Friedensstadt, die Familie besuchen. „Ein Sozialleben gibt’s hier keins mehr, die Freunde sind auch alle weggezogen.“ Daher sucht er auch eher Hochkulturelles bei seinen Osnabrück-Trips, Konzerte in Kirchen etwa, wenn er sich nicht gerade einfach durch die Sandsteingebäude-Gegend rund um den Marktplatz treiben lässt: „Ich mag die verregnete Melancholie, die mich hier anfällt, wenn ich auf den Dom gucke.“

Davon kann er am 4. November wieder mehr tanken, wenn er um 18 Uhr in der Marienkirche liest. Die Deutsche Winterreise, initiiert von Stefan Weiller, verbindet Texte von wohnungslosen Menschen mit Schuberts gleichnamigem Liederzyklus. Jede Aufführung findet nur einmal statt, der Eintritt ist kostenlos, und die Texte stammen von ausgegrenzten Menschen der Stadt, in der die Lesung jeweils gerade gastiert. Schenk nimmt, wie alle anderen Künstler, ehrenamtlich teil, und alle etwaigen Profite gehen an unsere wohltätigen Einrichtungen hier in Osnabrück.

Ich jedenfalls werde dort sein. Und kann dann demnächst beim Schenk’schen Anblick gröhlen: „Ey! Du kommst doch auch aus Osnabrück!“

Hasta luego,

Eure Katja Brunkhorst

Kommentare

Ricardorosales 11-02-13 03:31:
Breivik is too dangerous to ever reaslee, and is a burden to keep alive in captivity Why is he more of a burden to keep alive than anyone else?This reminds me of Martin Buber's fight to keep Israel from executing Eichmann. His reasoning was not practical but moral. He lost the fight but generated a lot of discussion.
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