OS-Blog

Joe Enochs in der Ollen Use
05. März 2014

Kaffee mit Joe

Eine neue Runde im OS-Blog: Den Kalifornier in Osnabrück, den hier alle Fußballfans kennen, haben wir in der Ollen...

Es ist Dienstag. Es ist 9:30 Uhr. Es regnet. Angeblich typisch für Osnabrück. Doch an diesem Morgen wird unsere betrübte Stimmung durch die Sonne Kaliforniens gebrochen. Wir sind zu Gast bei Joe Enochs: ehemaliger Fußballprofi, Sportlehrer, Kneipenbesitzer, Schönwetter-Fahrradfahrer.

Wir trinken leckeren Kaffee in der ältesten Kneipe der Stadt. Ungewohnt, dass Joe Enochs uns die Tür der Ollen Use öffnet. Ist es nicht, merken wir schnell. Er fühlt sich wohl in Osnabrück und wir uns bei ihm. Zusammen mit seinem Geschäftspartner Rainer Knopp betreibt er nun seit vier Jahren die Olle Use. Seine zweite Kneipe, neben der Sportsbar, die die beiden ebenfalls gemeinsam seit 2008 betreiben.

Wieso Osnabrück und nicht Kalifornien, wollen wir grade an einem Tag wie heute von ihm wissen. Die Antwort ist schnell gefunden: des Sports wegen gekommen, der Liebe wegen geblieben. 1994 studierte er noch in Sacramento Kriminologie. Er entschied sich jedoch, seine Fußballkarriere voranzubringen und folgte dem Ruf aus Deutschland. Seine erste Station: Hamburg, St. Pauli.

Nach einer zweijährigen, sehr erfolgreichen Spielzeit brauchte Enochs neue Herausforderungen. Er bekam viele Angebote, unter anderem vom VFL Osnabrück. Nach einem kurzen Abstecher nach Norwegen, kam der Kalifornier nach Osnabrück. Und blieb.

Die Stadt selbst lernte Enochs mit der Zeit sehr zu schätzen. Generell fühlte er sich hier von Anfang an wohler als in Hamburg. In Kalifornien sei er schließlich auch in einer Kleinstadt groß geworden. Auch wenn er am Anfang noch schräg angeschaut wurde, wenn er jedem – auch beim Lauftraining -  wie gewohnt zugrüßte, ist dies jetzt, zumindest in der Altstadt, keine Überraschung mehr.

Die „wunderschöne“ Altstadt gefällt ihm an Osnabrück besonders gut. Auch das Bildungssystem und die traditionsreichen Schulen der Stadt, wie das Gymnasium Carolinum, das eine seiner beiden Töchter besucht.

Ob es auch etwas gibt, was er an Osnabrück oder dem typischen Osnabrücker nicht so mag? „Da gibt es nichts“, sagt Enochs. Er versuche zudem, immer das Positive aus allem zu ziehen. Was ihn allerdings etwas störe, sei die forsche und rücksichtslose Art – im Straßenverkehr und an der Theke.

Mit Vergleichen zwischen Deutschland und Amerika tut sich Enochs schwer. Keins von beiden sei besser oder schlechter. Es sei eben anders. Perfekt wäre eine Mischung aus beidem – wie er es in seiner Tätigkeit als Fußballlehrer zu vereinen versucht. Den Ehrgeiz der Amerikaner und die fachliche Kompetenz der Deutschen.

Seit Ende seiner aktiven Karriere ist er beim VFL Osnabrück angestellt. Er ist Trainer und in der Leitung des Jugendleistungszentrums des Vereins. Derzeit macht er seine Fußballlehrer-Lizenz. Stolz und dankbar ist er, diese Möglichkeit wahrnehmen zu können.

Und wir erst. Stolz, dass Osnabrück neben Kalifornien für dich zu einer zweiten Heimat geworden ist und dankbar, dass du der Stadt so viel zurückgibst. Schön dass du da bist, Joe!

Michael Barlag
14. Februar 2013

OS-Blog Teil 12

Weltrekord und Weather Girls: Osnabrücks Selfmade Man, Michael „Messe“ Barlag.

Helau, äh, hallo, meine lieben haseländischen Schneeschaufler und Schlittenzieher! Kaum droht der Winter mal wieder mit einem Comeback, schon geht es hier im OS-Blog erneut um einen Michael, fragt ihr, von dem ihr noch nichts gehört habt? Auch hier gebe ich zurück: habt ihr. Zumindest aber gesehen, falls ihr denn Augen im Kopfe euer eigen nennt.

Hat Michael Barlag doch vor zehn Jahren die Marke „Jobmesse Deutschland“ erfunden, deren Plakate regelmäßig das Stadtbild zieren, und sie kurzerhand in die gesamte Republik exportiert. Erfolgreich, versteht sich! Den INSIDER hieltet ihr dazu sicher auch schon in den Händen – den gibt es heuer seit 30 Jahren, und Barlag gibt ihn seit 1988 mit heraus. Da, vor 25 Jahren also, machte er sich nämlich mit der Szenezeitung selbständig – mit gerade mal 19 Jahren. Und weil er also eine Menge Jubiläen feiert dieses Jahr (2013 wird zudem seine 20. Immobilienmesse steigen), dachte ich: diesen Osnabrücker Bilderbuch-Macher schaue ich mir mal genauer an.

„Gebürtig bin ich aus Bayern“, erfahre ich dann allerdings direkt zur Begrüßung aus Barlagschem Munde. In seiner Werbe- und Messeagentur über dem Café Blue Note empfängt er mich im Konferenzzimmer. „Hallo, Frau Brunkhorst!“ steht in fetten Lettern im Facebook-Farbschema auf einem großen Bildschirm an der Wand. Nett! Wie der Chef selbst, der, beneidenswert gebräunt von einem Kanaren-Urlaub, sehr offen und charmant aus seinem Leben erzählt – welches mit „bewegt“ untertrieben beschrieben wäre und in dem wirklich die Weather Girls und Weltrekorde vorkommen.

Wie fing denn das alles an?, will ich wissen, neugierig auf sein Erfolgsgeheimnis. Angefangen hat Barlag, der immerhin bereits im Babyalter nach Osnabrück umzog, also als Zeitungsverleger. „Während meiner kaufmännischen Ausbildung!“, arbeitete er also 1988 als gerade-noch-Teenager bereits in zwei Firmen, dem Ausbildungsbetrieb und dem eigenen, schrieb ganz viel selbst. Heute hat er für seine im nostalgischen Berliner Format erscheinende Publikation nur noch 1-2 Tage pro Monat Zeit, „da rufe ich Stammkunden an und betreue sie persönlich.“ Nur die letzte Verantwortung, die lässt er sich nicht nehmen: „Es gab bis heute keine einzige Zeitung, die ich nicht von vorn bis hinten Korrektur gelesen habe.“

Womit er aktuell überwiegend zu tun hat? Mit den Messen natürlich. Auch das geht auf den 19jährigen Michael Barlag zurück: „Ich wurde immer schon angerufen: ‚Was machen wir heute abend?’“. Da war schnell klar, das Organisieren von Parties und Events lag ihm. Für die ersten INSIDER-Parties hat Barlag kurzherhand Autohäuser umfunktioniert und Ende der 80er eben auch, unter anderen, Hella von Sinnen und die Weather Girls für Auftritte hier an der Hase gewinnen können. Wieder muss ich nachfragen: Ja, wie macht man sowas denn?

„Ich hatte immer Lust auf Risiko, wollte Dinge einfach ausprobieren“, grinst Barlag lausbübisch. „Außerdem hatte ich stets ganz viel Gegenwind in meinem Leben, der Kampf dagegen bestärkt!“ Der Messe-Macher und bekennender Bayern-Fan bezieht sich hier auf Oliver Kahns extremen Ehrgeiz, allen etwas beweisen zu wollen, gerade wenn sie einen anfangs belächeln. Dazu passt, dass sich der INSIDER oft an Stories über kriminelle Machenschaften in Osnabrück Stadt und Land machte, Skandale aufdeckte und sich vor „den kleinen Mann“ stellte. Vom typischen Anzeigenblatt keine Spur. Das Motto des oftmals als „Zeitungspolizei“ bezeichneten Mediums: „Wir schreiben das, was andere denken. Unsere vielen tausend Leser und die Entscheider der hiesigen Wirtschaft haben uns bis heute die Treue gehalten, weil sie wissen, dass unser Motto nicht ‚schlau reden‘, sondern ‚machen‘ war und ist“.

Die Erfolgsgeschichte geht weiter: Aus den – bis heute treuen – Anzeigenkunden des Mediums wurden Agenturkunden. Obwohl heute die Werbung, zumindest die aktive Kundenakquise, weitestgehend heruntergefahren wurde. Denn als Barlag 1995 seine erste Immobilienmesse in der Dresdner Bank veranstaltete, war klar, wohin die Reise seiner eigentlichen Bestimmung geht. Durch seine Zeitung wiederum hatte er den Fuß in der Tür bei der Eröffnung des Osnabrücker IKEA und verschaffte diesem mit seiner Agentur, neben einem grandiosen Opening, prompt einen Weltrekord: des größten Pippi-Langstrumpf-Treffens. Der nächste folgte auf dem Fuße: das größte aus Menschen bestehende IKEA-Logo, für die Eröffnung der Erfurter Filiale nämlich.

Die Jobmessen wiederum sind seit der ersten 2004 Selbstläufer, bis heute stemmten Barlag und seine Mitarbeiter 77 Stück bundesweit, in 17 deutschen Städten. Diesen Erfolg hat der Macher nicht zuletzt Osnabrück zu verdanken: „Wenn man auch um das Wohl des Anderen bemüht ist und die Regeln des kleineren Netzwerks versteht, dann kann man hier Karriere machen.“ Nachhaltige Planung, Verlässlichkeit und Integrität werden hier zwar zwingend gefordert, zahlen sich aber auch aus. Take the money and run – das geht vielleicht in so mancher Großstadt, nicht aber an Nette und Hase, wo jeder jeden kennt.

Der OS-Geheimtipp von Michael Barlag? Das ist dann doch wieder back to the roots, also bayrisch: die Waldwirtschaft Malepartus bei Bad Iburg sowie die Enzianhütte in Bad Essen. „Das sind zwei Locations, wo Sie innerhalb von 20 Minuten im tiefsten Bayern sind.“ Spricht’s und strahlt begeistert. Der VfL, den Barlag sponsert, mag es ihm verzeihen.

Pfüati miteinand’!

 

Michael Schenk
09. November 2012

OS-Blog Teil 11

Tätää! The lang ersehnte Return of OS-Blog. Heute: Teil 11, mit Veranstaltungstipp, Überlänge UND Promi-Bonus!...

Hallo, liebe Gemeinde. Es war eine lange Sommerpause, und jetzt macht der Sommer erst mal lange Pause, doch der OS-Blog hat mich wieder. Und ich Euch! Ich freue mich, Euch gleich zum Einstieg ins herbstliche Treiben einen wundervollen Mitmenschen vorzustellen, den Ihr mit Sicherheit alle kennt: Michael Schenk.

„Hä?“, sagt ihr. Das klingt wenig eloquent und ähnlich ahnungslos wie yours truly, bevor ich den Mann gegoogelt hatte. „Michael Wer? Der von der Schenker-Group?“ Bevor Ihr jetzt anfangt, „Wind of Change“ zu summen, lasst es mich so sagen: Duell - Enemy at the Gates. Napola - Elite für den Führer. München. Der Vorleser. Das weiße Band. Der Baader Meinhof Komplex. Noch Fragen? Egal – mit den zahlreichen Fernsehserien und Krimis, die Schenk ebenfalls durch seine schauspielerische Leistung aufwertet, verschone ich Euch jetzt mal. Jedenfalls reicht dem durchschnittlichen Filmfan ein Blick ins oben abgebildete Konterfei, um zu wissen: Ja klar, den kenne ich. Der ist berühmt! Und nun merkt Euch einfach den Namen MICHAEL SCHENK dazu, denn: Der Mann ist Osnabrücker.

Relativ nervös nach dem ganzen Gegoogle in letzter Minute warte ich also in der Lagerhalle auf den Bona-Fide-Star. Er hat es geschafft: from Osnabronx to Hollywood, gleichsam. Als einer von drei Friedenspreis-Juroren weilt er gerade zum FilmFest an der Hase, und es war die Idee des FilmFest-Chefs Florian Vollmers, ihn – nicht nur, aber auch – zum Thema Osnabrück zu interviewen. Endlich. Schenk kommt rein, und: Tatsächlich, er hat eines dieser Gesichter, das sich in die (Film- und TV-affine) deutsche Hirnrinde gebrannt hat. Ich könnte jetzt spontan nicht mehr genau sagen, woher, aber: ich kenne es.

Geht ihm das die Tage hier öfter so? Ja, antwortet er mit relativ dunkler, charismatischer Stimme, er komme generell oft Menschen bekannt vor, „die dann nicht wissen, wo sie mich hintun sollen.“ Ein Highlight war etwa die Bikertruppe mitten in Andalusien, die ihm entgegengröhlte: „Ey, Du kommst doch auch aus Wuppertal!“ Spricht’s, komplett mit überzeugendem Bergischem Slang. Und fügt eine kleine Bemerkung hinzu, die von der Beobachtungsgabe des geborenen Schriftstellers spricht (dazu gleich mehr): „Das ist, wie wenn ich meiner Zahnärztin im Theater begegne. So out of context kann man das immer schwer einordnen.“

Ja, und Osnabrück so? Aufgewachsen ist er im Osnabrücker Land, „in der Iburger Ecke“. Dort kommt er auch heute noch am liebsten hin – leider ist ihm aber „zum Ganz-wieder-Herkommen das Wetter zu schlecht.“ Seine Jugend-Sozialisation fand in der Stadt statt, im Hyde Park, damals noch an der Rheiner Landstraße, und in der Lagerhalle. Außerdem wurde hier der Entschluss zur Schauspielerei geboren. Zunächst generell der Bildenden Kunst und Literatur zugewandt, merkte Schenk „beim Theaterspielen im Akzisehaus“ – man gab Sartres Geschlossene Gesellschaft – dass das Darstellen sein Ding war.

Generell sei Osnabrück zwar auch ein Ort zum Wohlfühlen, mit einem besseren Angebot als so manch andere Stadt vergleichbarer Größe – „gib mir in Worms zum Beispiel einen Gutschein über 2000 Euro, ich würde mit leeren Händen wieder aus der Stadt gehen“ – aber der Wohlfühlaspekt reiche eben in manchen Fällen nicht aus, um junge Menschen hier zu halten. „Als künstlerischem Mensch fehlen einem hier die Widersprüche, die Brüche“, fasst er zusammen, was ihn forttrieb. „Wenn Du jung bist und Impulse suchst, Dich reiben willst, solltest Du eher mal weggehen.“ Wenigstens eine Zeit lang, fügt er hinzu.

1988 zog es ihn dann auch deswegen gen Süden, nach Stuttgart. Dort, an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst, lernte er sein Handwerk von der Pike auf,  „aber die Schauspielschulzeit war nicht immer supertoll“. Zweifel an den eigenen Fähigkeiten plagten ihn, wird man doch quasi auseinandergenommen in solch einer Kaderschmiede. Die Ludwigsburger Filmakademie war aber in der Nähe, und dort ergaben sich schließlich Kontakte ins Filmbusiness, die weiterführten.

Theater spielte Michael Schenk natürlich auch, und der Durchbruch im Film war 1996 mit Der Sandmann besiegelt. Was aber noch wenige wissen: Das Multi-Talent ist auch Grimmepreisträger – für ein Drehbuch. „Literatur ist schon ein ziemlich großes Thema bei mir“, sagt Schenk, und fügt bescheiden hinzu, dass das mehr mit Dingen wie Geschmack, Sprachgefühl und Musikalität zu tun habe als mit irgendeiner großen Intellektualität. Schreiben „aus Lust an der Prosa“ wird er jedenfalls weiter, „wenn Platz im Kopf ist. Ich bin nicht so gut im Multitasking.“

Mittlerweile lebt Schenk hauptsächlich in Berlin, ist aber recht regelmäßig in der Friedensstadt, die Familie besuchen. „Ein Sozialleben gibt’s hier keins mehr, die Freunde sind auch alle weggezogen.“ Daher sucht er auch eher Hochkulturelles bei seinen Osnabrück-Trips, Konzerte in Kirchen etwa, wenn er sich nicht gerade einfach durch die Sandsteingebäude-Gegend rund um den Marktplatz treiben lässt: „Ich mag die verregnete Melancholie, die mich hier anfällt, wenn ich auf den Dom gucke.“

Davon kann er am 4. November wieder mehr tanken, wenn er um 18 Uhr in der Marienkirche liest. Die Deutsche Winterreise, initiiert von Stefan Weiller, verbindet Texte von wohnungslosen Menschen mit Schuberts gleichnamigem Liederzyklus. Jede Aufführung findet nur einmal statt, der Eintritt ist kostenlos, und die Texte stammen von ausgegrenzten Menschen der Stadt, in der die Lesung jeweils gerade gastiert. Schenk nimmt, wie alle anderen Künstler, ehrenamtlich teil, und alle etwaigen Profite gehen an unsere wohltätigen Einrichtungen hier in Osnabrück.

Ich jedenfalls werde dort sein. Und kann dann demnächst beim Schenk’schen Anblick gröhlen: „Ey! Du kommst doch auch aus Osnabrück!“

Hasta luego,

Eure Katja Brunkhorst

14. Juni 2012

OS-Blog Teil 10

Das große Finale vom Land. Mit Haus, Country & Rebel Heinz! Und Miro Klose.

Neun Folgen OS-Blog, samt Intro also 10, sind nun seit März an Euch vorbeigezogen, liebe Gemeinde. Hoffentlich nicht unbemerkt: Ultimative Brötchen-, Verbiege-, Bänd- und Frisörtipps, unter anderen, konnten vielleicht das eine oder andere Leben ins Positive verändern. Was fehlt noch? Ach ja. Der schmerzfreieste Zahnarzt. (Den erbitte ich mir hiermit von Euch, in Kommentarform. Ich jedenfalls könnte einen gebrauchen.) Und dass endlich Sommer wird!

Jetzt aber: Zeit fürs große Finale, den vorerst letzten Brunkhorst-Beitrag auf diesem Kanal, und für den OS-Blog mit meiner persönlichen Glückszahl, der Nummer ölf (heimlich)! Es geht nach Bissendorf-Wissingen (nein, das kann man nicht essen), und um eine tolle Trias aus Heinz Rebellius, dem Osnabrücker Land und einem Knaller-Haus. Und ganz zum Schluss wird auch Miro noch kurz eingewechselt.

Rebellius? Ja, der Mann heißt wirklich so, genau wie sein Solo-Musikprojekt. Kennengelernt habe ich ihn während der Live-Hinrichtung eigentlich völlig unschuldigen Swing-Liedguts im Big Buttinsky meinerseits; unerschrocken schlug er dennoch eine musikalische Kollaboration vor. Soviel Mut muss belohnt werden – dachte sich Eure Blogfee, und lud sich prompt zum Mittagessen bei Heinz und seiner Frau Sigrid in ihr charaktervolles Landhaus ein.

Mal wieder schocken mich bereits bei der Anfahrt in mir bis dato völlig unbekannte Gefilde die unerwarteten Reize des hiesigen Umlands. Ist Osnabrück gar am schönsten, wenn man es gerade per Auto in flottem Tempo verlässt? Alpenvorland, go home, freuen sich jedenfalls der Bayern-Fan (nein, nicht in Sachen Arroganz-Arena!) und das Pälzer Meedsche in mir. Okay, so richtige Berge sind nicht in Sicht, aber satt grün, hügelig und putzig kuhbefleckt ist es im Osnabrücker Land allemal.

Und Platz haben sie da draußen, Heinz und Sigrid. Nicht nur in Wald und Feld: Seit die Kinder aus dem Haus sind (ein Sohn trägt den unfassbar coolen Namen Jonny Rebellius!), wirken selbst Sigrids Heilpraktikerpraxis und Heinz’ (der Redakteur bei Gitarre & Bass ist) Werkstatt/Büro recht verloren auf luxuriösen 2x175 Quadratmetern plus Dachboden, Nebengebäuden und Garten. Hund Robby begrüßt mich enthusiastisch, als ich den ehemaligen Gasthof, Baujahr 1888, betrete. Locker Platz zum Verlaufen bietet das älteste Gebäude Wissingens, direkt am kleinen Bahnhof gelegen. Früher hielten hier die Postkutschen an der Poststation nebenan, und die Reisenden nächtigten im heutigen Chez Heinz, gewissermaßen. Heute halten stündlich Züge nach Amsterdam in die eine und Moskau (via Berlin) in die andere Richtung.

 Gasthaus zur Post, Wissingen

Warum das Osnabrücker Land, warum Osnabrück generell? Die Fragerei folgt auf ein leckeres Mittagessen, courtesy of Sigrid, inmitten von Heinz’, sagen wir zahlreichen (nach der 10. gab ich auf) Gitarren. Die Geschichte der beiden ist ein Rock’n’Roll-Roadmovie: 1979 macht der aus der Eifel stammende Wahlberliner Rebellius Station in Cloppenburg, en route nach Amsterdam. Spontan steigt er bei einem Gig von Freunden mit auf die Bühne, noch spontaner steigt Sigrid dazu. Beide Gitarre, beide Gesang: the rest, as they say, is history.

Die gesamten 80er verbringt dann Heinz mit der Musik, von der man damals noch ganz gut leben konnte. Wenn man was konnte! Schrittchenweise zog es das Paar gen Süden, bis schließlich eine Wohnung in Bramsche zu klein wurde und die Kinder in Osnabrück zur Schule gehen sollten. Hier war Heinz unter anderem auch bei den Lokalgrößen Cliff Barnes and the Fear of Winning aktiv. Gewohnt wurde im Schinkel, bis auch dort Platzmangel die Suche nach einem großen Haus mit Vermiet-Möglichkeiten forcierte. Dass sie dann auf dem Land gelandet sind, „war insgesamt Zufall. Wir wollten da weg, wo wir gewohnt haben“, erzählt Heinz, der mittlerweile mit der Grolsch-Song-Night und seiner Band, dem Artland Country Club, über die Grenzen Osnabrücks hinaus ein Begriff sein dürfte.

Das war nicht immer so: Als sich Cliff Barnes Anfang der 90er auflösten, stand Rebellius als bekannter Musiker dennoch erstmal wieder alleine da; war wieder „der Zugezogene“. „Ich bin doch ein guter Musiker, warum ruft mich keiner an?“, fragte er sich lange vergeblich. Bis er wieder selbst aktiv wurde – mit ACC und seiner Song Night eben, die einmal im Monat donnerstags in der Lagerhalle stattfindet und Singer-Songwritern jeder Couleur eine Bühne bietet.

„Dass sie sich manchmal zu sehr selbst genügen, die Osnabrücker“, das ist dann auch sein einziger Kritikpunkt am Leben hier, an dem ihm gefällt, „dass Osnabrück nichts Besonderes hat, ein bisschen beliebig ist.“ Es gebe hier alles, was er brauche, sagt Heinz; und wenig von dem, was er nicht brauche. Was Großstädte wie Hamburg oder Berlin ausmacht, von dem werde er schnell überwältigt, und er sei nach Ausflügen dorthin jedes Mal wieder froh, wieder nach Osnabrück zu kommen.

Das wären er und Sigrid aktuell auch gerade wieder, denn ihr wunderbares Haus im Landkreis steht zum Verkauf. Es ist für sie beide nun schlicht zu groß, und sie möchten gerne wieder ein bisschen näher dran sein am Leben in der kleinen Großstadt. Interessenten dürfen sich gerne an ihn wenden. Fußballmannschaften, zum Beispiel!

Ach ja, wegen der Sache mit der 11 nochmal: Da Miro Klose wie Eure Blogfee quasi aus Kaiserslautern kommt, sollte seine Rückennummer wenigstens dieses Finale zieren. Bei der anderen Veranstaltung wissen wir’s ja noch nicht! Hier schon: ELF ELF ELF ELF ELF. Schön, oder? Wenn wir dann mal noch 11:0 gewinnen...werd’ ich wohl auch endlich Fußballfan.

Met hartelijke Groetjes, auf dem Weg, die niederländische Elftal zu trösten,

Eure Katja Brunkhorst (ik zal jullie missen, mensen!)

06. Juni 2012

OS-Blog Teil 9

Pfingst-Open-Air à la Stammtisch Mortale

Oh ja, auch die Subkultur lässt sich blicken. Im Winter harrt sie zu ausgedehnten Feiereien in Gewölben und Kaschemmem aus. Doch kaum wagt sich die Sonne heraus, tun es auch die Anhänger weniger populärer Freuden - wie die der elektronischen Tanzmusik. Da merkt der aufmerksame Besucher sogleich, dass es sich inzwischen um äußerst populäre Freuden handelt. Im Licht betrachtet zeigt die Subkultur ihre schönere Seite. Und die Menschen erscheinen zahlreich.

Beim Pfingst-Open-Air des Stammtisch Mortale etwa war die Crème de la Crème der elektronischen Musik der Stadt zu hören und zu sehen. Das schon seit mehreren Jahren veranstaltete Minifestival fand dieses Jahr auf dem Gelände des Mimmis, einem Kulturverein im Hasepark, statt.

Der Stammtisch Mortale schaltet schon seit vielen Jahren an Osnabrücker Mischpulten und waltet über die besten Feiergelegenheiten der Stadt. Lange Zeit wurden die Veranstaltungen als Geheimtipp gehandelt, doch das ist längst vorbei. Dennoch haben sie ihren Charme behalten. Das liegt vor allem an der hinter dem klangvollen Namen stehenden Gruppe von äußerst ambitionierten DJs, die jedoch längst nicht nur für Musik sorgen. Mit viel Liebe zum Detail wird jede Party vorbereitet. Ausgefallene, speziell gezimmerte Sitzgelegenheiten gehören ebenso dazu, wie ein dezentes, aber bezauberndes Lichtarrangement.

Zum Stamm der Gruppe zählen sich rund zehn Osnabrücker, die im "richtigen Leben" ganz verschieden sind. Von Michael kann man Neues über eine Kletterhalle in Osnabrück erfahren, Gerrit spricht über ein Unternehmen für Schaltanlagen. Natürlich sind auch Vollzeitkreative an Bord. Und Jungspunde ebenso, wie alteingesessene Kenner, die schon seit den 90ern die Teller drehen.

Insgesamt hat man bei den Feiern das Gefühl, mit dem Stammtisch Mortale sei die elektronische Musikkultur in Osnabrück ein bisschen erwachsener geworden. Die Musik selbst ist keine Reihung von Partykrachern, wie die Nachbarschaft in vielen Clubs sie bietet. Vielmehr sind interessante, ausgewählte Stücke zu hören - zum Teil handelt es sich um anspruchsvolle, minimalistische Musik. Die DJs verstehen ihr Handwerk als Gestaltung eines Spannungsbogens. Da wird jedes Klickern und Klackern zum Ereignis, und jeder hinausgezögerte Höhepunkt zum Gemeinschaftserlebnis.

Die Open-Air-Veranstaltungen beginnen immer bereits Nachmittags. Im Hellen zeigt sich das Publikum als bunte Mischung aus vielen verschiedenen Menschen, die die Liebe zum Tanzen verbindet. Mit der "goldenen Stunde" bringt die untergehende Sonne den Tanzenden eine romantische Abendstimmung. Und kurze Zeit später kann die ausgefeilte Lichttechnik ihr Potential entfalten.

Das klingt ein bisschen kitschig - und das ist es auch. Doch wenn man mittendrin tanzt und den Rhythmus erlebt, sieht man das anders.

Viele Grüße
Euer Peter

29. Mai 2012

OS-Blog Teil 8

Vom Ostblock über Oz nach OS. Hot, backpackin' Cathrin tells all!

Die Sonne knallt auf die Dächer Osnabrücks. Endlich! Der Sommer ist da. Darauf stoße ich an, mit einer Tasse Tee aus den schottischen Highlands und mit Cathrin Eßbach. Cathrin kannte ich bis eben noch nicht; sie lobte den OS-Blog und ich frug sie frech, ob sie nicht auch Blog werden wolle. Sie wollte! Und kommt auch, und ganz zufällig, wie former OS-Blog Maik (die beiden kennen sich nicht), aus Wismar, Meck-Pomm.

Cathrin ist Hostelière – den Begriff hat sie mit erfunden. Vor 11 Jahren gründete sie hier eines von damals nur zehn Hostels in ganz Deutschland („Heute kannste 'ne Null dranhängen!“ sagt sie), das Penthouse Backpackers, neben einem Vollzeitjob als Architektin. Warum in Osnabrück? Ein fußballbegeisterter Osnabrücker war's, den sie vor 14 Jahren auf einer Baustelle in Hessen kennenlernte. Erst folgte er ihr stehenden Fußes auf einen 9-monatigen Trip durch Australien und Malaysia, um sie dann, pünktlich zur WM '98, an die Hase zu locken. Sie hat sich sofort in die Stadt mitverliebt – und blieb.

Das muss sie mir näher erklären! „Es war sowieso egal, wo ich anfange. Nach Berlin wollte ich nicht zurück. Und hier hatte ich direkt, und zum ersten Mal im Leben, das Gefühl: Ich bin zuhause.“ Cathrin strahlt. Nicht nur übers ganze Gesicht und in der heißen Maisonne auf ihrer Penthouse-Dachterrasse. Für sie wurde garantiert der Begriff „Powerfrau“ erfunden. Was sie mir in den nächsten anderthalb Stunden erzählt, würde für zehn Leben reichen, haut mich um und wird leider auch nicht in Gänze ein Plätzchen hier finden.

Aber kein Problem: Cathrins Hostel liegt sehr zentral in der Möserstraße, und seit sie vor ein paar Jahren ihre feste Stelle bei der Stadt kündigte, um sich ganz ihrer Leidenschaft zu widmen, trifft man sie dort regelmäßig an, denn: „Backpacker sind offene Menschen, die mit wachem Blick durch die Welt gehen“, und sie genießt an ihrem Job, „denen für kurze Zeit ein Zuhause zu geben“. Und natürlich, dass sie niemanden fragen muss, ob sie Urlaub machen kann!

Palmyra, Syrien

Und den macht sie, neben ihren früheren ausgedehnten Reisen durch die halbe Welt, jetzt quasi jedes Wochenende: In Hude bei Oldenburg hat sie sich mit ihrem jetzigen Mann Jan, einem Schlagzeug spielenden Bäckermeister, Altenpfleger und Isolierer, einen alten Lebenstraum in Form einer noch älteren Mühle geleistet. Den Sachsen Jan hat sie übrigens, als das mit dem Osnabrücker Fußballer schon Geschichte war, als ihren Gast im Penthouse kennengelernt.

Neben Handwerkern auf Montage, wie ihm damals vor vier Jahren, beherbergt Cathrin hauptsächlich Studenten und Rucksackreisende aus ganz Deutschland, aber auch international. Cognitive Sciences etwa, weltweit der erste Studiengang seiner Art, lockt Leute aus der ganzen Welt nach Osnabrück.  Toll für die Gastgeberin: „Ich finde es sexy, wenn jemand einen Wortschatz hat, der über 300 Worte hinausgeht.“ An Cathrins Hostel schätzen ihre Gäste wiederum die Möglichkeit zur Kommunikation: als Mittelding zwischen Pension und WG ist es fest etabliert, u.a. im Backpackernetwork.de, als Garantie, dass sich Individualreisende durch ganz Europa nicht einsam fühlen müssen.

Und Cathrin schlägt zwei Fliegen mit einer Backpacker-Klappe: Einerseits hat sie hier endlich die Erdung gefunden, ihr „Schicksal“, wie sie es nennt; von dem sie lange Angst hatte, es zu verpassen oder nicht zu sehen. Es war aber nicht nur das „Whoa, wie ist das niedlich hier!“-Gefühl, das sie sofort beim ersten Besuch erfüllte. Ihrem „Seelenverwandten“ Jan ging es ähnlich, zum Glück, denn so blieb auch er: „Was ist das für eine lebendige, schöne friedliche Stadt!“, fand er auf Anhieb. Cathrin, die vorher unter anderem auch in Berlin gelebt hat, präzisiert noch mal: „Ich kann mir vorstellen, dass woanders der Input zu stark ist, um sich selber denken zu hören.“ OS beschreibt sie dagegen als „freies Feld, man kann einfach loslaufen.“

Losgelaufen ist sie mit ihrer Leidenschaft für, nun ja, Länder, Menschen, Abenteuer. Nur, dass sie sich die jetzt einfach nach Hause holt. Schlau, die Frau! „Türen gehen auf, wenn man sein Ding durchzieht“, meint Cathrin mit ihrem Megawatt-Lächeln, und sie ist selbst der wandelnde Beweis dafür. Sogar einen Müller-Lehrgang haben sie und Jan noch drangehängt, weil die alten Handwerkstechniken interessierten. Zwar sagt der „Physik-Mensch“, die Bauingenieurin Cathrin, über Zahnräder & Co.: „Das ist für mich geil wie Sex, zu lernen, wie so was funktioniert; das macht mich an, wie sich Kräfte umsetzen“; aber es war auch schnell klar, definitiv keine Mühle betreiben zu wollen. Die dafür nötige Leidenschaft fließt bei Jan bereits in die Musik, und bei Cathrin – ins Penthouse natürlich. „Ich war bestimmt die erste, die eine feste Stelle bei der Stadt gekündigt hat“, freut sie sich immer noch über die Gesichter der Kollegen damals.

Aber was die Entscheidung gegen die Angst und für den eigenen Lebenstraum mit einem Menschen machen kann, falls er die geeignete Erdung unter und liebevolle Unterstützung neben sich weiß – das schaut euch am besten schnell selbst an. Der Tee des schottischen Gastes jedenfalls schmeckt in der Frühsommersonne am besten, hab' ich mir sagen lassen.

G'day mate!

Eure Katja Brunkhorst

22. Mai 2012

OS-Blog Teil 7

Ja, es gibt hier auch einen Hafen. Wo nette Kreative Anliegen anlegen.

Letzten Montag war was los am Hafen. Ja, Osnabrück hat einen Hafen! Nach fast vier Jahren an Nette & Hase habe ich das dann auch mal mitgekriegt, aber auch nur, weil dort etwas veranstaltet wurde, wo ich schlicht hin musste.

Kreative Lebensläufe war für mich, liebe Gemeinde, gleich aus mehreren Gründen Pflichtprogramm. Erstens waren nicht nur Stadt und Hochschule Veranstalterinnen, sondern auch die euch von mir bereits aufgedr..., äh, ans Herz gelegte Interessenvertretung der hiesigen Kultur- und Kreativwirtschaft, k-quadrat. Zweitens versprach man, Gründe für und, ja, auch gegen Osnabrück als Standort für innovative Gründer zu benennen. Gehen hier erfolgreich Kreativbiographien, oder gehen Erfolgreiche woanders hin? Um ein Podiumsgespräch herum sollte einer der Talk-Gäste gleich ein absoftendes Musikrahmenprogramm mitliefern. Sowas kann funktionieren, muss es aber nicht. Am Montag tat es das, vor, wie ich finde, spektakulärer Kulisse.

Bei der Anfahrt denken ich und mein Navi noch: „Oh Gott, das ist ja j.w.d. hier“, aber das Gelände beeindruckt: Die Hochschule Osnabrück hat ein Händchen bewiesen in der Auswahl der alten Heeresbäckerei zu ihren neuen Räumlichkeiten. Eine halb zugewucherte Flugzeuglandebahn, Fluss- und Waldlandschaft sowie Industrie-Ruinen lassen mich wünschen, wieder Kind zu sein. Ein Abenteuerspielplatz! Wie ich höre, übrigens auch noch weiter gewerblich nutzbar. Interessenten mögen sich an den Fachbereich Stadtentwicklung und Integration wenden. Ende der Werbepause! Und weiter im Text:

Im Gebäude 48 selbst stehen schon ein paar Leute herum und Getränke bereit mitten in Fabian von Wegens Soundcheck. Es hallt melancholisch im weiten weißgetünchten Raum, draußen macht der Mai endlich Stimmung, und die Halle füllt sich allmählich. Schön: Ein regelrechtes Summen erfüllt bald die Luft, auf Neudeutsch: Buzz. Macher netzwerken mit Newcomern, Studenten und „Ich mach’ was mit Medien“-Menschen-Schrägstrich-Künstler treffen auf den Oberbürgermeister, den Hochschulpräsidenten sowie die Vizepräsidentin der Uni. Nur eure Blogfee (it’s my Bloggy, I’ll call myself what I want to!) sitzt magenverstimmt und „Mist, heute kein Wein!“ murmelnd in der Ecke und schreibt fleißig für euch mit.

Und dann – gong! – ist der Ring eröffnet! Holger Schwetter, k-quadrat-Head-Honcho, und Patricia Mersinger von der Stadt sind die Schiedsrichter; in der ersten Runde stellen sie die sechs auserwählten Macher vor: alles Leute, die entweder aus Osnabrück und seinen Hochschulen kommen oder aber hier ihr Geschäft betreiben. Allesamt sind sie mindestens national erfolgreich, die meisten sogar international aktiv. Ein spannendes Kommunikationsbüro ist dabei; abgefahrene Lasertechnik, die bei Metallica-Live-Shows zu bewundern ist; eine theaterpädagogische Werkstatt hier in der Stadt; ein Berliner eBooks-, ja, man kann sagen mittlerweile: Riese; eine Eventagentur und ein Modelabel. Und natürlich Herr von Wegen, Absolvent des hiesigen Pop-Studienganges, der trotz seines sich anbahnenden Erfolgs bleibt und sagt: „Osnabrück ist halt einfach nett. Man hat hier eigentlich auch alles, man muss sich nur drum kümmern.“

Nett! Das war dann auch der Tenor der Antworten auf Mersingers Fragen, was man als Gründer bräuchte und ob Osnabrück das auch bieten kann: Es sei ein guter Ort, sich zu erden durch die Kürze aller Wege inmitten grüner Wälder, samt guter Verkehrsanbindungen. Patrick Voigt von 22quadrat drückt es ein Quäntchen provokanter aus. Er sei überregional derart beschäftigt, dass er ab und an ein Bedürfnis nach Leere habe. Die findet er hier, wo er „keine große Überbelastung“ hat, „geistig“, denn: „Osnabrück ist mein Nullpunkt geworden.“ Das Publikum schnauft zwar teils empört, teils amüsiert; aber wie schreibt schon Wordsworth, oder war es Coleridge? Das Geheimnis der Kreativität liegt für die Begründer der Romantik jedenfalls in der „recollection in tranquility“, will heißen: rausgehen, exzessiv viel erleben (in Berlin zum Beispiel), und dann auf der Couch in Ruhe das Unbewusste verarbeiten lassen. Am Nullpunkt. In Osnabrück! Patrick (im Bild unten der rechte) hätte es nicht schöner sagen können.

22quadrat, Patrick Voigt

Genau das schuckelige, muckelige ist es aber auch, was an der Stadt einigen aufstoßen kann. Aufstoßen würde etwa Anna Pallas gerne Türen zu noch mehr und noch experimentellerem in der lokalen Theaterlandschaft: „Die Leute machen es sich so superschön in ihren Gärten! Und da gibt es wenig Interesse an Innovativem, Performativem, Aggressivem.“ Boris Pistorius war anderer Meinung, Schwetter schlichtete. Patrick Voigt sagte: „Ich seh’ die Verantwortung viel mehr beim Volk“, denn: Man kann hier wirklich etwas bewegen, wenn man es denn will.

Der Professor, der das Gebäude gestaltet hat und Hofmann heißt, fand ganz zum Schluss, dass die leidenschaftliche Diskussion Mut macht. Stimmt! Und mal ehrlich: dass es hier zu schön und gemütlich ist, das ist ein Problem, mit dem ich leben kann.

Die anschließende Führung durch die leer stehenden Gebäude, die auch kreativ genutzt werden wollen, soll toll gewesen sein. Der Wein auch; letzte Netzwerker verließen Gerüchten zufolge nach Mitternacht leicht torkelnd das Gelände. Moi lag da schon brav mit Wärmflasche zu Bett, von Riesenbrotlasern auf Bücherlandebahnen träumend.

Stay creative, Osnabrück!

Eure Katja Brunkhorst

16. Mai 2012

OS-Blog Teil 6

Dream Team Made in Osnabrück: Katrin, Kunst und Steve.

Manchmal kann eine Stadt Amor spielen. Bei Steve McGuire und Katrin Lazaruk, die nicht nur die Kunst (und ein "und") verbindet, war das unser aller Osnabrück. Na und, sagt ihr? Ich sag’s euch: Da mein Kerl und ich demnächst während der englischen Sommerhochzeit gemeinsamer Freunde ein winziges Cottage mit den beiden teilen werden, bot es sich an, sie vorher kennenzulernen. Verständlich, oder? Man will ja nicht mit irgendwem und überhaupt...naja.

Nun sitzen wir jedenfalls im Pollyesther’s beim Frühstück und reden übers Geschäft. Die beiden führen nämlich eins, Made in Osnabrueck in der Redlinger Straße, vor kurzem zu Gast bei Horses and Dreams in Hagen am Teutoburger Wald. Doch zäumen wir das Horse zunächst von vorne auf. Am besten im Einspänner; denn: Obwohl sie beide im Alter von zehn Jahren hier landeten, sind weder Steve noch Katrin selbst made in Osnabrück.

Katrin heißt eigentlich Katsiaryna (genau!) und kam vor 14 Jahren aus Brest, Weißrussland. Ihre Mutter war Lehrerin und fand hier an der Hase einen Job, gedacht für 6 Monate. Daraus wurde nichts (hat man also vom Denken!), denn sie lernte hier Katrins Stiefvater kennen, packte in Brest ihre Tochter ein und kam ganz nach OS. Katrins Deutsch war zunächst eher spärlich, wurde aber schnell besser. Ihr erster Eindruck von der Stadt damals? Eine einzige Erinnerung ist geblieben: „Die Wohnung lag in der Nähe des Moskaubads, und allein der Name milderte das anfängliche Heimweh.“

Ebenfalls zehnjährig, fand sich auch Steve aus Leeds plötzlich in Osnabrück wieder. Es war Mitte der Siebziger, und in England verbreitete der erste große Wirtschaftsabschwung seinen Schrecken. In Deutschland dagegen herrschte nach wie vor Mangel an Fachkräften, und Steves Vater, ein Ex- und Import-Manager, wollte Steve und seiner Schwester eine bessere Zukunft ermöglichen. Da die Mutter gebürtige Düsseldorferin ist – ihren Mann, damals Lehrer, lernte sie als Au-pair in London kennen – bot sich das an: Hier in Osnabrück konnte sie lange als Dolmetscherin für die Militärpolizei arbeiten.

Steves erste OS-Erinnerung? Ganz klar: „Vallos Imbiss an der Meller Straße. Es gibt hier keinen, der älter ist als 30 und den nicht kennt.“ Lange vor den einschlägigen Fast Food-Ketten am Start, hatte er auch als einziger bis nachts um 3 auf. Man kann sich die Szenen vorstellen, nach langen Parties in lauen Sommernächten...und das Deutsch des jungen Briten? „Darf ich bitte aufstehen?“ war der einzige Satz, mit dem Steve bewaffnet kam. Was höchstens begrenzt nützlich ist. Doch auch bei ihm änderte sich das binnen eines Jahres, nur im Elternhaus wurde noch weitere zehn Jahre Englisch gesprochen.

Und wie war das mit – tätäää! – der Sprache der Liebe? L&T machte es möglich. Vor 5 Jahren gestaltete Steve, freier Künstler, deren Markthalle und Katrin, damals in Ausbildung zur Dekorateurin, wurde ihm als Hilfe zur Seite gestellt. Aus der Hilfe wurde schnell Lebenshilfe und ihr Kunstschaffen ging in eine gemeinsame Lebensgestaltung über. 2009 gründeten die beiden dann Made in Osnabrueck.

Das erste halbe Jahr fand statt in der Martinistraße, „auf 33 qm ohne Klo und fließend Wasser“, sagt Katrin, sichtlich schüttelt es sie noch bei der Erinnerung. Steve ergänzt kichernd: „Wir mussten immer zum Friseur an der Ecke, wenn wir aufs Klo wollten!“ Moment – Friseur? Ich muss hier mal eben in unsere Love Story reingrätschen, war ich euch, liebe Gemeinde, doch noch den ultimativen Frisörtipp schuldig. Und eben jener WC-spendable an der Ecke Martini-/Herderstraße scheint es zu sein, auf jeden Fall, wenn es nach Osnabrücks coolstem Künstlerpaar geht: „Vechia von Element H ist einfach eine Alleskönnerin“, sind sie sich sicher. Vechia, ich komme!

Aber zurück zum Hauptfilm. Trotz Vechias Großzügigkeit musste ein eigenes Klo samt größerem Laden drumherum her, und als Traum-Location hatte man sich entweder die Redlinger Straße in die Köpfe gesetzt, „oder Cala Ratjada auf Mallorca.“ Da es bis nach Malle fürs erste wohl ein bisschen zu weit war, klapperten die beiden kurzerhand sämtliche Läden auf ihrer OS-Wunschmeile ab, mit der frechen Frage: „Macht ihr vielleicht demnächst zu?“ Und siehe da, obwohl sie auf viel Unverständnis stießen und auch einige Beleidigungen kassierten, erhörte sie nur 6 Monate später das Schicksal in der Gestalt von Ninas Nähladen. (Dank und Grüße an Nina an dieser Stelle, jetzt zu finden an der Kogge um die Ecke).

Und was ist so drin in Made in Osnabrueck? Zum Beispiel die Tape Art, die auch fast sämtliche Wände des Pollyesther’s ziert und die Steves und Katrins Hauptgeschäftszweig ist. Und ihre jeweilige Passion als Künstler? Steve macht riesengroße colorierte Collagen und fotorealistische Auftragsmalerei. Letztere, auch ganz ohne Auftrag, ist Katrins Ding: Sie lässt Leute ganz klassisch sitzen (no pun intended), fotografiert sie dabei allerdings und malt dann ihre Portraits in Acryl. Fotorealistisch!

Haben die beiden einen Maiwochentipp für mich? „Wir wohnen in der Maiwoche“, grinsen die Turmstraßenbewohner, und scherzen erst: „Verreisen!“, nennen dann aber die Rosenhofbühne am Herrenteichswall, „wegen der coolen Bands“. Auf was ich mich auf jeden Fall jetzt schon freue, ist das Staubsaugerrennen durch die gesamte Redlinger Straße, das sie während der nächsten Kulturnacht im September organisieren, für einen guten Zweck. Sponsoren sind übrigens noch herzlich willkommen!

Wir verabschieden uns, „bis spätestens August!“ Das English country wedding mit den beiden wird bestimmt super. Auf dem Nachhauseweg fällt mir allerdings noch eine Frage ein, die ich dringend hätte stellen sollen. Steve McGuire und Katrin Lazaruk – schnarchen Sie? Damn...ich sehe die Ohrstöpsel vor mir. Fotorealistisch.

Thank you and good night,

Eure Katja Brunkhorst

Im Visir
07. Mai 2012

OS-Blog Teil 5

Mixed bag mit Maik, mir und ein paar Erdhörnchen.

Einen wunderschönen Morgen, Mittag oder Abend, liebe Gemeinde! Heute muss ich zuerst eine Frage stellen: Seid ihr wie Maik? Maik musste ich erst erklären, dass „OS-Blog“ wie „Ostblock“ ausgesprochen wird. Wer hätte das auch so gewusst? Na? Der muss nicht, aber möge mir dies doch bitte hier oder über das bekannte blaue Sozialvernetzungswerkzeug mitteilen, zu Forschungszwecken. Danke dafür im Voraus!

Mit Maik, den ich von einem Existenzgründerseminar kenne und der mit Nachnamen Reishaus heißt, war ich neulich im Zoo. Maik ist dort sehr gerne. Erstens, weil es ihn entspannt – auf die Gründe dafür gehen wir gleich noch näher ein. Zweitens, weil es „leichtes Brot für Fotografen“ sei. Zum Beispiel hat Maik den Löwen oben fotografiert, „während mindestens 2 Minuten lang ein Junge wie bescheuert an einem Strauch gerüttelt hat“, um seine Aufmerksamkeit zu erhaschen. Laut quietschend! Zunächst dachte Maik, das Tier bemitleidend, noch, „warum ist da eine Glasscheibe zwischen?“, entdeckte aber schnell die unmissverständliche Botschaft im Blick des Löwen: „Mach mal ruhig noch ein bisschen weiter, Junge...!“ – und drückte ab.

 „In der Natur hat man keine Chance, Tiere für so lange Zeiträume zu beobachten, ohne dass sie sich erschrecken und davonlaufen“, sagt Maik. Seit letzten September macht er ernst mit der Fotografie und will jetzt auch verstärkt in Richtung Portrait gehen, denn „man reagiert anders auf Fotos, wenn Menschen drauf sind.“ Außer Fotos macht Maik noch Musik; der (fast fertig diplomierte) studierte Basser gibt Unterricht und ist in 3 Bands aktiv, mit denen er es insgesamt auf gute dreißig Gigs pro Jahr bringt. Auch das Schreiben über seine Passion ist er gerade dabei zu professionalisieren, und sein Idealszenario bestünde aus je 25% Musizieren, Schreiben, Unterrichten und Fotografieren. Nicht nur die Abwechslung reizt ihn – „ich könnte nicht den ganzen Tag lang nur eine Sache machen“ – es ist auch die Entspannung, die ihm das künstlerische Tun gibt, den Ausgleich, etwa zum Unterrichten.

Entspannung findet er eben auch im Zoo. Erstens, weil es dort ruhig ist – der Osnabrücker Zoo ist tatsächlich einer der weitläufigsten und naturnahsten des Landes – aber auch, weil jede einzelne Tierart für ihn so interessant ist. „Jedes Tier hat eine spezielle Eigenart, die auf einen selbst abfärbt“, findet Maik, der Elefantenfan ist und nur den Nacktmullen nichts abgewinnen kann, "leider". Die Erdhörnchen etwa „stecken einen mit ihrer Wuseligkeit an“, einen Wolf im Wolfswald zu beobachten findet er „mystisch“, und der ganz alte Bär wiederum, der „einfach nur rumliegt“, übertrüge seine Ruhe auf ihn. Zudem lehre ein Zoo, gerade einer, der so viel Wert auf artgerechte Haltung legt, Respekt vor der Natur. Vor allem Kinder können dort lernen, dass Tiere keine Objekte aus dem Fernsehen sind. Sie werden, im Streichelzoo gar im wörtlichen Sinne, greifbar. Sogar Fische kann man anfassen. Toll!

maikreishaus.blogspot.de

Mein Kind findet das übrigens auch. Gerade mal anderthalb, ist es der Schrecken der Ziegen vom Streichelzoo. Zum Glück für sie (die Ziegen) ist der Osnabrücker Zoo keiner, der mit Spielplätzen geizt; ganz im Gegenteil. Mit unterirdischen Häusern, Baumrutschen vom Kopf einer riesigen Holzgiraffe hinab und echten Indianertipis kann sich meine Kleine auch mal wunderbar tierfrei beschäftigen, und Maik und ich können in Ruhe unsere Waffeln verputzen – und die Ziegen ihr Heu. Mister Reishaus findet, dass man sich bei jedem Besuch hier aufs Neue auf angenehmste Art verlaufen kann. Ich pflichte bei; gerade an verregneten Wochenenden ist die Zoo-Jahreskarte der beste Freund junger Eltern. Langweilig wird es dabei nie, und nach beinah 10 Besuchen haben wir noch lange nicht alles gesehen.

Was Maik eigentlich nach Osnabrück verschlagen hat, will ich zum Schluss noch wissen, während die Sonne schon langsam untergeht und die Pink Flamingos (übrigens der Name einer Osnabrücker Kult-Band!) in ein sattes orange umzufärben beginnt. Er kam 2005 aus Wolgast, Meck-Pomm, des Studienplatzes wegen. Und? Will er wieder weg? Erstmal nicht, „kein Bedürfnis“. Er findet OS eine „relativ spannende kleine Stadt“ mit aktiver Kunst- und Musik-Szene und umtriebigen Akteuren, „wenn man erstmal tiefer eintaucht“. Hier kennt jeder irgendwann jeden, und so hat sich der Allround-Künstler ein tragfähiges Netzwerk aufbauen können.

„Man wird hier schneller wahrgenommen als in einer größeren Stadt“, schließt Maik. Das kann Vor- oder Nachteil sein, im Moment ist es ganz klar ersteres. Wollt ihr selbst beurteilen? Bitte, kein Problem. Die Groovin’ Goblins, Cicinatela oder Tommy Schneller spielen sicher bald wieder, mit Maik am Bass. Schöne Grüße von mir!

Eure Katja Brunkhorst

 

 

 

 

Ashtanga-Vinyasa-Yoga in Osnabrück
23. April 2012

OS-Blog Teil 4

Yoga für die Augen. Ohne Madonna, dafür: meet Claudia.

Wo waren wir? Ach ja: aus. Puh! Nach all dem Feiern, Tanzen und generellem culture vulture-Sein, dem Ihr euch sicher nach dem Lesen der letzten beiden Blogbeiträge hingegeben habt, ist es Zeit zum Durchatmen, zur Innenschau. Für Yin und Yang. Bewegung und Ruhe. Kurz: Zeit für Yoga. Doch halt! Wer von euch sich jetzt bereits in wabernden Schwaden Räucherstäbchenrauchs lässig wegpennen sieht, ist schief gewickelt.

Die GALA-LeserInnen ahnen, was ich andeute: Es geht um Ashtanga-Vinyasa-Yoga, die Art von flow-Yoga, die Madonna (immerhin Ü50!) ihre sehnigen Oberarme beschert, an denen nichts, aber auch gar nichts, mitwinkt; und der Sting seine Ausdauer im, äh, Bassspielen verdankt. „Es ist die kernigste Form von Yoga", gibt Claudia Dalmeyer vom hiesigen Ashtanga-Studio Yoga Mala zu, „und nix für Weicheier; aber definitiv kein Sport." Um was geht es denn dann? Ausnahmsweise habe ich Osnabrücks Yoga-Perle mal runter von der Matte und rein ins Café Mojo locken können, von wo wir uns bei großen Schalen Milchkaffee aufmachen rund um die Welt und zurück nach Osnabrück – wo auch alles begann (leise Sitar-Musik setzt ein).

Claudia ist nämlich waschechte Osnabrückerin, ging hier zur Schule und absolvierte ihre Ballett-Ausbildung. Seit sie neun ist, schätzt sie die Disziplin der Körperarbeit, erst des Tanzes, dann des Yogas, als „ein Fundament, das Dir keiner nehmen kann." Das Tanzen führte sie schnell weit weg: über Hamburg nach Köln, London und schließlich in den fernen Osten, wo sie fünf Jahre verweilte: „Ich hatte immer so ein Ding mit Asien im Kopf." In Japan hätte sie, die Gaijin, gar fast geheiratet, fühlte aber irgendwann mit Mitte zwanzig: „Das Tanzen ist es nicht mehr." Auch zog es sie zurück in die Heimat, teils aus familiären Gründen, teils, weil sie ahnte, dass dort noch eine Aufgabe auf sie wartete. Was folgte, war ein Jahr der Orientierung, das Leben finanziert durch Jobs im Fitnessbereich. Doch das reichte nicht, war zu „leer". Asien tat weiter seine Wirkung; was Claudia dort erlebt hatte, ließ sie nicht los. Der Heiler zum Beispiel, der sie nach einem Bühnenunfall in Japan lediglich durch Handauflegen gesund machte; der Inder, der sie in die Meditation einführte, ohne je Geld dafür zu verlangen, mit der Begründung: „You called me with your thoughts!"

„Ich hatte vorher so gar keinen Draht zu diesen Dingen", sagt Claudia, die einen sehr trockenen Sinn für Humor hat, ihre Schüler ständig zum Kichern bringt und wahrlich nicht besonders „eso" rüberkommt. Doch ihre Asienreisen, später gefolgt vom Leben in einem indischen Ashram samt Ritualen im Ganges und dem Erleben der Kultstätten des Himalaya, machten ihr klar: „Das ist mein Weg, ich muss nicht mehr suchen. Es ist dort halt auch einfacher, sich auf Spirituelles einzulassen." Ein Guru etwa – im Westen ein eher angstbesetztes Wort – wie Claudia ihn in ihrem Balaji fand, gehört dort zum Alltag und bedeutet schlicht „Lehrer".

Das ist Claudia nun auch, seit sie 1999 die erste Yoga-Schule überhaupt in Osnabrück eröffnete, mit Leib, Seele und Passion: „Ich hab' jeden einzelnen meiner Schüler richtig lieb", sagt sie, und: „Das tolle ist auch, Leute über einen langen Zeitraum begleiten zu dürfen, mit Yoga zu helfen." Vier Yogalehrer-Ausbildungen verschiedener Stile hat sie durchlaufen, eine davon mit noch gestilltem Baby: „Wenn man was wirklich will, kriegt man's auch hin." Mittlerweile ist Yoga Mala eine von lediglich drei BDY-zertifizierten Ashtanga-Lehrer-Ausbildungsstätten deutschlandweit. Darauf ist Claudia zu Recht stolz, und Osnabrück kann es auch sein.

Doch was ist jetzt Ashtanga und warum ist es weder Sport noch Räucherstäbchen-Rumgesitze? Man muss es wahrscheinlich am eigenen Leib erleben. Practise, and all is coming, sagt Patthabi Jois, Gründer des Ashtanga und einer von Claudias zahlreichen Lehrern – sie hinterfragt sich ständig selbst und besucht daher Fort- und Weiterbildungen rund um den Globus „wie ein Weltmeister." Am ehesten, sagt Claudia, ist es Energiearbeit. Es geht nicht so sehr darum, Leute zu bewegen, sondern darum, ihnen zu helfen, ihren Geist zu disziplinieren und zu fokussieren – über den Körper. Und, Junge, wird der in die Mangel genommen! Claudia mag uns Schüler lieb haben, aber es ist definitiv tough love, wie sie einem dabei hilft, „das Innere über den Körper auszudrücken, sodass der Körper das Medium ist."

Ihre Schüler liebt sie auch für ihre Loyalität, für Claudia eine typische Osnabrücker Eigenschaft: „Wenn einen die Leute hier erst mal wirklich kennen gelernt haben, und sie einen ins Herz geschlossen haben, dann bleiben sie auch." Genauso schätzt sie an ihrer Heimatstadt ihre Erdhaftigkeit, nennt sie eine „Steinbockstadt". Berlin zum Beispiel hat ihr „zuviel aufgeschäumte Sojamilch im Kaffee" und in London sind die Häuser endlos hoch; hier dagegen sehe man, wo sie zu Ende sind. In größeren Städten fühle man sich austauschbar, kann schon mal in den Möglichkeiten untergehen; in Osnabrück aber könne man leben, authentisch sein. Was Claudia hier besonders mag, ist das Katharinenviertel; was ihr fehlt, ist echtes Sushi: „So, wie es das da hinten gab, hab' ich es hier noch nicht gegessen."

À propos Essen: ich darf heute nicht mehr, 3 Stunden vor der Yoga-Session belastet das den Magen zu sehr. Vielleicht seh' ich den einen oder die andere von euch demnächst mal bei Claudia in der Herderstraße? Ashtanga mag zwar kein Sport sein, ist aber mindestens so auspowernd. Und die besten Brötchen für den Morgen danach (die war ich euch ja noch schuldig)? Gibt es beim Bäcker Böhne in der Parkstraße, eindeutig. Honig-Walnuss...hmm, äh:

OMM! Eure Katja Brunkhorst

Ausgehtipps Osnabrück
11. April 2012

OS-Blog Teil 3

Feier-Abend auf der Couch. Ausgehtipps mit (Fast-) Doktor Uwe

Bei Uwe, unserem zweiten leaving Leipziger, liegt die Sache ähnlich wie bei Caro: durchmischt, und nach einem holprigen Start wuchs dann doch zusammen, was zusammen gehört: Ost und West. Doch beginnen wir von vorne. Sein erster Besuch vor vier Jahren war ein Abstecher auf dem Weg zurück nach Leipzig, nach einer durchzechten Nacht in Hamburg. An einem verkaufsoffenen Sonntag erlebte er den Weg durch die gesamte Osnabrücker Innenstadt, vom Hasetor bis zum Neumarkt, als „skurril: lauter frisch geduschte Einkaufsbürger, wir verkatert mit Hund.“ „Unspannend“ fand Uwe die Stadt, wo er in einigen Monaten anfangen sollte zu arbeiten, und fragte sich: „Und wo ist jetzt das Studentenviertel?“ Und, und, und...und jetzt?

„Der Blick ändert sich, wenn man die Menschen kennen lernt“, sagt er. Die Osnabrücker findet der Psychologe (und er muss es ja wissen) „offen, zuvorkommend und freundlich“ – viel offener sogar als die Leipziger. Zudem treffe man sich durch die örtliche Nähe von Allem und durch die Beschränktheit der Ausgeh-Auswahlmöglichkeiten immer wieder. Davon profitiere wiederum ganz besonders die Feierei. Hä? Der Psycho-Profi liefert geduldig seine Analyse: „Du hast weniger Möglichkeiten, deiner Umwelt etwas vorzuspielen, bist gezwungen, authentisch zu sein.“ Uwe, der Dozent, sei identisch mit Uwe, dem Disko-Gänger.

Es gibt keine nennenswerte Hipsterszene hier; hat ihm, Disko-Uwe, dem Großstädter, das nicht manchmal gefehlt? Im Gegenteil: „Die Cliquen in den Szenekneipen sind sich in Hamburg oder Leipzig genug.“ Es sei sehr schwer, dort Kontakte zu knüpfen; in OS dagegen treffe man dann doch alle irgendwann überall wieder. Man kann sich eben keine Starallüren leisten, wenn man bei Real an der Kasse gesehen wird und gerade eine Flasche „Toilet Duck“ bezahlt. Osnabrücker are keeping it real? Durchaus. Leipziger seien zwar schon lockerer und humorvoller, dafür herrsche ein common sense beim hiesigen westfälischen Menschenschlag, der „Dinge einfach möglich macht.“

Es ist also wieder die „viel größere Offenheit“ hier, die auch im Nachtleben positiv überrascht: Die Osnabrücker können feiern, findet der Sachse. Es gibt hier zwar "nicht so viele krasse DJs oder bunte Vögel“, dafür sei man echt und engagiert. Konkret gilt das für Uwe für vier Läden: das Mimmis und den Unikeller für Parties und zum Tanzen; das Grand Hotel und das Tiefenrausch als die Kneipen mit dem meisten Flair.

  • Die größte Subkulturszene der Stadt ist für Uwe zuhause im Mimmis, einem Projekt des Kulturvereins Petersburg, der vor drei Jahren am alten Güterbahnhof einen kleinen Club von Freunden für Freunde startete. Als der vom Ordnungsamt dicht gemacht wurde, entstand das Mimmis in der Skatehall am Rande des Haseparks. Hier widmet man sich mit viel Idealismus den Themen Müßiggang, Inspiration, Meinungsbildung, Menschlichkeit, Interaktion und Synergie.
  • Der Unikeller ist laut unseres Leipzigers hier „der einzige Laden, der Kneipenbetrieb macht UND Tanzparties und Konzerte.“ Studentennah sei das „supertolle Team“ und die Lieblingsabende von Uwe sind die Version mit elektronischen Klängen, Trust in Bass mit Dubstep sowie, genau, Drum’n’Bass, und der Basement Sound: Reggae, Ragga, Dancehall.
  • Seinen Tiefenrausch ausschlafen könnte man im Grand Hotel – wenn es dort Betten gäbe statt ebenso leckerer Getränke und guter DJs wie im „Rausch“, wie der kleine Laden, Kultstätte des Reverend Hardy Hardon, gerne liebevoll genannt wird.
  • Letzterer ist eine Osnabrücker Institution sowie lebender Beweis dafür, dass man für die echt schrillen Vögel, entgegen Uwes Ansage, eben nicht nach weiter weg ausweichen muss, sondern sie sogar gerade in den beiden Lieblingskneipen des Sachsen antrifft. Der Reverend, einst bester Elvis-Imitator des (Osnabrücker) Landes, fungiert nämlich mittlerweile als „Gott of Schlager“ Christian Steiffen, und am ersten Mittwoch des Monats kann man ihn beim „Disco Bingo“ im Hotel erleben. Seine Konzerte, zusammen mit dem Haseland-Orchester (bestehend einzig aus dem wunderbaren Martin Schmeing am Keyboard), sind Legende. Momentan sucht Christian, in seiner Nebentätigkeit als „Partyarchäologe“, mit einer handverlesenen vierköpfigen Jury „den schönsten Partykeller Osnabrücks (und des Osnabrücker Landes)“; Hauptgewinn ist ein Auftritt des Mannes himself im Sieger-Keller.

Tja, hätte Uwe DEN mal als erstes getroffen, damals vor vier Jahren, verkatert in der Fußgängerzone...er hätte sich sofort zuhause gefühlt. Zu diesem Gefühl gehört ja für viele auch ein richtig gutes Bier – und darum nimmt mich Uwe nach unserem Gespräch mit in die Grüne Gans. Dort bekommt man das beste Glas der Stadt, findet er. Dank den sexy Sachsen! Nüwoar.

Prost, eure Katja Brunkhorst

Ausgehtipps für Osnabrück
27. März 2012

OS-Blog Teil 2

Im Westen nichts Neues? Zurück in den Ostblock; oder: Kulturtipps mit Caro

Im Westen nichts Neues ist ein Roman von Erich Maria Remarque, der die Schrecken des Ersten Weltkriegs aus der Sicht eines jungen Soldaten schildert – sagt Wikipedia, und von euch soll keiner sagen, im OS-Blog lerne man nichts. So könnte aber auch die Autobiographie meiner Freunde Uwe und Caro (Namen NICHT von der Redaktion geändert) tituliert sein, die sich vor dreieinhalb Jahren nach der Geburtsstadt Remarques aufmachten; mit dem Untertitel: die Schrecken Osnabrücks aus der Sicht zweier junger High Potentials.

Denn Uwe und Caro, End-Zwanziger und Psychologen beide, gehen nun zurück in den wilden Osten, in die up-and-coming Boom-Stadt, die sich gerade anschickt, Berlin in Sachen Hipstertum und Coolness den Rang abzulaufen: Leipzig. Warum sie mittlerweile durchaus mit einem weinenden Auge gehen, und wie man auch hier an der Hase ziemlich gut feiern kann, das haben sie uns vorher noch verraten, denn: Wir haben sie getrennt voneinander befragt.

Zunächst kommt Osnabrück zu Caro auf die Couch. Oder ist es umgekehrt? Egal. Sie freut sich auf ihre alte Liebe Leipzig, ist aber auch traurig, die mittlerweile lieb gewonnene Hasestadt wieder zu verlassen. Das wäre nicht immer so gewesen: Sie gibt zu, lange mit ihrem Schicksal gehadert zu haben, als sie die Stelle hier bekam. Zunächst erlitt sie einen, wie sie es nennt, „krassen Provinzschock“, als sie das erste Mal aus der Bahnhofshalle trat. Positive Überraschungen haben aber im Laufe der dreieinhalb Jahre ihr Bild vom Leben in OS stetig gepimpt. Allen voran ist da die rasch sich einstellende Familiarität zu nennen: Da es nicht zu viele Veranstaltungen gibt (ja, das kann ein Vorteil sein!), lernt man schnell die coolen Leute kennen, und dementsprechend hat sich Caro flott einen festen Freundeskreis erobern können. Die Menschen seien offener, als man das von einer Provinzstadt denken würde. Besonders beeindruckt hat sie hier, dass es „ein paar Leute gibt, die sich wahnsinnig engagieren und dadurch die Kultur ziemlich bereichern.“ Konkret kann Caro in Sachen (Ess-) Kultur folgende OS-Highlights empfehlen:

  • Im .space coworking in der Georgstraße ist Platz für kreativ oder anders schaffende Freiberufler, denen zuhause am Solo-Schreibtisch die Decke auf den Kopf fällt. Abends sind dort oft Ausstellungen, Musik- oder Info-Events, und dienstags morgens gemeinsames Frühstücken jeweils prima Gelegenheiten zum fröhlichen Netzwerken.
  • Das regelmäßig im Februar stattfindende Barcamp +kultur bietet Gelegenheit zum Hören, noch lieber aber auch zum selbst Gestalten verschiedenster Beiträge zu aktuellen Aktivitäten Kunst- und Kulturschaffender oder deren Förderern. Ehrenamtliche Federführer sind das Medienlabor werk.statt, ebenfalls einen Besuch wert, sowie Kulturmanagerin Beate Lechler aka Raum K – beide auch involviert im Vorstand des just gegründeten Kreativnetzwerks k-quadrat, das in manch größerer Stadt seinesgleichen vergeblich sucht.
  • Abends empfiehlt unsere Leipziger Psychologin Nadine Linnings Tanztheater, für sie schlicht „großartig“; und tagsüber, zumindest einmal die Woche, ist ihr Lieblingsplatz mittlerweile „vor der Ladentheke am TOPP-Ostwurst-Stand“ auf dem samstäglichen Markt – mittlerweile gar zu „liken“ auf Facebook.
  • Bald feiert das European Media Art Festival sein stolzes 25jähriges Jubiläum, und Caro legt es uns ans Herz, ganz besonders die „mega-witzige Schlacht am kalten Büffet“ am Eröffnungsabend. Am 18. April ist es soweit.
  • Einen OS-Geheimtipp hat sie auch: den Stammtisch Mortale, ein Kollektiv von Elektro-Rittern, den „Rettern der Provinz“, die sehr engagiert Veranstaltungen der etwas anderen Art auf die Beine stellen. Wer also nach elektronischer Musik und Clubkultur sucht, wird am Stammtisch fündig; und im nächsten Blog erzählt uns Uwe auch noch ein bisschen mehr dazu.

Und Caro? Sie freut sich zwar auf „mehr gelbe Mäntel und rote Strumpfhosen auf den Straßen“, Sinnbild für die größere alternative Kunst- und Kulturszene Leipzigs, wird aber weiterhin regelmäßig nach OS reisen – ausgerechnet zum Feiern. Ihr größter Abschiedswunsch an die Stadt? „Ein Open Air am alten Güterbahnhof!“ Na dann...ihr habt es alle gehört. Let’s just do it!

Findet eure Katja Brunkhorst

02. März 2012

OS-Blog Teil 1

Hin und (gleich wieder) weg

Osnabrück – ich wusste nicht, ob es das überhaupt wirklich gibt (ein Schicksal, das es mit Bielefeld teilt. Völlig zu Unrecht natürlich). Und schon mal gar nicht, wo das denn liegen sollte. Und nun war ich plötzlich da, und sollte ganz dorthin ziehen. Da leben. Aus Berlin. Mitte! Als ich nach überstandenem Vorstellungsgespräch an der Uni im Bus zurück an den Hauptbahnhof saß, heulte ich in Höhe des Neumarkts. Nicht obwohl, sondern weil es positiv verlaufen war.

Das gleich erfolgte Update des Freundeskreises übers Handy resultierte keineswegs in den üblichen Glückwünschen, die man beim Ergattern einer Habil.-Stelle in den Geisteswissenschaften hierzulande erwarten würde, dürfte und, in der Tat, müsste. „Oh Gott“, fühlte ein Freund mit. Ein anderer riet: „Zieh doch wenigstens nach Münster!“ Doch es half kein Lamentieren und es halfen keine Vermeidungsstrategien. Es half nichts, ich musste hin an die Hase und weg von der Spree.

What can I say? Drei Jahre später ist der befristete Vertrag ausgelaufen, ich habe ein Kind und gehe mit Elan in die Selbständigkeit. Wo? Hier in Oz, Osnabrooklyn, Osnabronx. „Warum?“ fragen die Freunde wieder fassungslos, „warum nicht in Köln? Berlin? München?“, und fordern unisono: „Du könntest doch jetzt überall hingehen – komm zurück zu uns, wo was los ist!“ Tja. Ich bin selbst überrascht. Lebte ich doch lange in London und je ein paar Jahre in besagten deutschen Großstädten. Warum eigentlich Osnabrück?

Wenn Osnabrück eine Langspielplatte wäre, ein Album, wäre es ein „Grower“. Beim ersten Hören hauen einen die Songs nicht eben um. Es glitzert nicht golden und protzig an den Gebäuden wie in Münster. Aber es ist echt, und grün, und durchaus lebendig, und man kann auch nach dem x.ten Hören immer noch Neues entdecken. Einige Songs haben sogar echtes Potenzial zum dauerhaften Lieblingsstück.

Zum Beispiel traute ich mich schon beim zweiten Besuch über den optisch zugegebenermaßen optimierungsfähigen Neumarkt hinaus und fand mich in einer bezaubernden Altstadt wieder. In England hat man sehr treffende Vergleiche für eine solch geballte Menge an Fachwerkgebälk, engen Gässchen und genereller Malerischkeit: mit „tea towel“ oder „chocolate box“-Motiven nämlich, und das trifft auf die Gegend rund um das Rathaus und die Gotik-Kirche St. Marien absolut zu. Wikipedia behauptet gar, der Marktplatz versprühe „mittelalterliches Flair“ – zu Recht.

Weitere Highlights, die mich nach und nach und immer wieder flashten: Ein wunderschöner Dom, an dem samstags morgens lebhaftes Markttreiben stattfindet. Der Spielplan des Theaters, wirklich alles andere als provinziell. Eine mehr als anständige Shoppingmeile mit zahlreichen netten Cafés zum Verweilen. Ein Spaziergang durch die hübsche grüne Katharinenstraße, über den Westerberg mit seinen prunkvollen Villen hinauf zum Wald. Dort kommt plötzlich zwischen den Bäumen ein herrlich großer See zum Vorschein, zu umrunden in 30 Minuten Waldrandspaziergang. Wer sich nicht spätestens bei der anschließenden Einkehr mit Seeblick bei leckerem Kuchen im Café am Rubbenbruchsee wie in der Sommerfrische in Kanada fühlt, dem kann auch nicht mehr geholfen werden.

Meine Wohnung fand ich schließlich in der Wüste, neben dem Katharinenviertel das bohèmigste. Zentrums- und naturnah; es gibt sogar eine große Schrebergartenkolonie an ihrem Rand, gleich hinter dem prächtigen Moskaubad, wo zweimal im Jahr ein großer, kultiger Flohmarkt stattfindet. Zunächst lebte ich hier allein, und das sehr gut, fußläufig zur Uni, der Innenstadt und meiner Stammkneipe für twenty- to fortysomethings und Musik-Nerds, dem Grand Hotel. Dann kam meine Tochter...und alles wurde anders.

Aber genug für heute – ich muss los auf die Straßen, für euch weiterforschen, -fragen und -feiern. Stay tuned für den 2. Teil vom OS-Blog, wieder mit jeder Menge Tipps für andere Hergezogene und solche, die es werden wollen. Oder müssen. Aber dass es Schlimmeres gibt – das könnt ihr mir wirklich glauben. Welcome, bienvenue and join the club! See you in OS.

Eure Katja Brunkhorst

 


Rathaus Osnabrück
02. März 2012

OS-Blog Intro

Insidertipps: Hergezogenes für Zugezogene

Es sind oft die kleinen Dinge im Leben, die zählen. Das perfekte Brötchen fürs gemütliche Sonntagsfrühstück etwa. Der See mit den schnellsten Tretbooten, um danach noch ein Rennen an der frischen Luft zu fahren. Oder der Club, wo am Abend zuvor genau der richtige DJ genau die richtige Musik aufgelegt hat. Und wo entsprechend gleich gesinnte Leute zu treffen sind. Wenn man sich auskennt, fühlt man sich einfach daheim.

Blöd nur, wenn man ganz neu in der Stadt ist. Dann kann es Monate, manchmal sogar Jahre dauern, bis sich alles eingegrooved hat und schlichtweg PASST. Die Wohnung im nettesten Kiez, der schmerzfreieste Zahnarzt, der schmerz-unfreieste Friseur und das kinderun- oder -freundlichste Café – je nach Stimmung, genereller Lebenssituation oder spontaner Präferenz. Und und und...ja, so was kann dauern.

Muss es aber nicht! Erstens ist Osnabrück, unter Insidern auch „die Friedensstadt an der Hase“, tatsächlich der goldene Schnitt aus großstädtischer Auswahl und kleinstädtischer Kuschligkeit; will sagen, man trifft trotz reichhaltigem Freizeit-, Arbeits-, Kultur- und Wohnangebot bei angenehm kurzen Wegen öfter mal auf dieselben Leute. Es netzwerkt sich also schon mal leichter. Zweitens – Trommelwirbel – gibt’s ab jetzt HIER regelmäßig Erfahrungsberichte, Highlights und Insider-Tipps in geballter Form, von anderen Neu-Osnabrückern und auch alten, äh, Hasen. Das Konzentrat aus Jahren der Suche nach den Osnabrücker Superlativen. Und wenn noch Fragen offen bleiben: fragen!

Auf einen lebendigen Austausch, euer Team von Darum!Osnabrück.